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Das Unerträgliche der Gedanken

Das Unerträgliche der Gedanken

„Die Situation an sich ist ja einfach so wie sie ist. Was sie so unerträglich macht, sind die Gedanken dazu. Wie wir darüber denken, das ist entscheidend. Unsere Bewertung entscheidet darüber, ob es gut oder schlecht ist.“

Wie oft hast du das schon gehört? Ich schon tausende (100000000000male).

Ich habe oft das Gefühl, dass bei der Aussage „Es sind nur die Gedanken“ etwas Entscheidendes fehlt. Ich glaube, dass solche Aussagen eher von Menschen gemacht werden können, die in der frühesten Kindheit keine lebensbedrohlichen, traumatischen Erfahrungen gemacht haben. Denn dann spürten sie genau: Zuerst ist das Unerträgliche da. Die Gedanken sind dann die Folge, um es zu begreifen.

Dennoch gibt es sehr grob gesagt, zwei Arten von Menschen gibt:

*diejenigen, die keine wesentliche Erfahrung eines mentalen Zusammenbruchs in der frühen Kindheit mit sich tragen, und

*diejenigen, die eine solche Erfahrung tragen und daher davor fliehen, damit flirten, sich davor fürchten und bis zu einem gewissen Grad ständig mit dieser Drohung beschäftigt sein müssen.

Das ist echt nicht fair, aber eine Tatsache.

Wer solch einen frühen Zusammenbruch als Baby oder Kleinkind erlebt hat, der kann sich nicht einfach nur sagen: „Es sind nur Gedanken.“ Denn es handelt sich um tiefste Empfindungen bzw. Zustände von Körper und Seele und um ein mentales Geschehen, das bisher noch nicht genau genug erforscht werden konnte.

Aus der Todesnot entstehen dann die vielfältigsten „Gedanken“ und es ist sehr wichtig, sie zu denken, denn sie sind im Notzustand auch ein wichtiger „Organisator“, der dabei hilft, dass nicht alles zusammenbricht.

Jedes Mal, wenn ich lese oder höre, dass es nur darauf ankomme, wie wir die Dinge bewerten und wie wir darüber denken, fühle ich eine abgrundtiefe Schlucht zwischen dem Gesagten und dem, was ich täglich in meiner Praxis an Leid miterlebe.

Nein, wie es uns geht, ist nicht nur das Ergebnis dessen, wie wir über die Dinge denken. Es ist vor allem das Ergebnis dessen, was wir fühlen und erleben. Direkt und unmittelbar. Ganz ohne Bewertung.

Sei achtsam mit Aufforderungen, die du nicht erfüllen kannst, weil du in deiner Kindheit Schlimmes erlebt hast.

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